Steuerfahndung prüft Malta-Briefkastenfirmen

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Malta ist ein Steuerparadies in der EU
Nach der Schweiz und Panama kommt nun Malta dran: die Steuerfahndung NRW ermittelt

Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen gehen möglichen Tricksereien und Betrügereien deutscher Unternehmen über Briefkastenfirmen auf Malta nach. Ein neuer Datenträger gibt Auskunft über rund 70.000 Offshore-Firmen.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans  teilte am 10.05.2017 in Berlin mit, dass Ermittlungen zu maltesischen Firmen laufen. Den Wuppertaler Steuerfahndern ist ein anonyn übermittelter Datenträger mit bis zu 70.000 maltesischen Firmen mit weltweiten Kontakten zugegangen, der nun im Hinblick auf Verbindungen zu deutsched Steuerpflichtigen geprüft wird.

Der Malta-Fall erinnert an die sogenannten Panama-Paper mit Enthüllungen über Briefkastenfirmen vor mehr als einem Jahr. Tatsächlich zog der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) Parallelen zu den Panama-Paper-Fällen: „Es gibt Hinweise, dass es eine Art Panama in Europa gibt.“ Damit meinte er offenkundig ein Steuerparadies, das wie Panama darauf spezialisiert ist, Steuerumgehung von Unternehmen zu ermöglichen.

Offshore- oder Briefkastenfirmen sind nicht per se illegal. Sie werden aber häufig genutzt für Geldwäsche und Steuerbetrug. Und eben das wird die Wuppertaler Steuerfahndung nun prüfen.

Firmen in Verbindung mit deutschen Eigentümern

Nach einer ersten Auswertung stünden 1.700 bis 2.000 dieser Firmen in Verbindung mit deutschen Eigentümern. Lediglich 270 seien nach deutschen Gesetzen auch angemeldet. Diese Größenordnung sei zwar bereits bekannt gewesen. Aber tatsächliche Namen, Adressen und Strukturen seien erst jetzt nachvollziehbar. Es gehe auch um nicht angemeldete Niederlassungen bekannter deutscher Konzerne. Wenn Firmen nicht angemeldet seien, gebe es einen gewissen Anfangsverdacht. Ganz offensichtlich gebe es Unregelmäßigkeiten. Es gebe Anlass zur Vermutung, dass Niederlassungen in dem EU- und Euro-Land Malta zu einem bestimmten Zweck gegründet worden seien.

USB-Stick im Briefkasten der Steuerfahnder

Der Stick eines anonymen Informanten mit der „Malta-Liste“ sei am 26.04.2017 im Briefkasten der Steuerfahnder eingegangen und nicht käuflich angeboten worden, sagte Walter-Borjans. Hier habe jemand offenbar reinen Tisch machen wollen, sagte der SPD-Politiker.

Der Stick zeige den Ermittlern, wie Konzerne und Privatpersonen auf der Mittelmeerinsel Firmengeflechte nutzten, um in Deutschland Steuern zu umgehen. Teils geschehe dies mit legalen Tricks, oft aber auch über sogenannte Offshore-Gesellschaften, die ausschließlich als Steuerhinterziehungs-Konstrukte dienten. Häufig würden diese Offshore-Gesellschaften gegründet, um am deutschen Fiskus vorbei Gewinne oder Vermögenswerte ins Ausland zu verlagern und in inaktiven Briefkastenfirmen zu verstecken.

Lücken beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerdaten

Der nordrhein-westfälische Finanzminister kritisierte Lücken beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerdaten unter EU-Ländern: Wenn deutsche Firmen oder Bürger eine maltesische Firma gründen, dann nimmt dies laut Walter-Borjans Malta vom internationalen Informationsaustausch aus. Denn Malta habe sich verpflichtet, Daten an den deutschen Fiskus zu übermitteln, die deutsche Firmen beträfen, aber nicht maltesische. Dies schränke die Informationspflicht ein.

Diese Feststellung von Walter-Borjans trifft jedoch hinsichtlich der Briefkastenfirmen eben nicht zu. Übt eine maltesische Firma in der Hand deutscger Steuerpflichtiger keine aktive Tätigkeit aus – das ist ja bei Briefkastenfirmen bzw. Domizilgesellschaften gerade der Fall – so sind die Daten der Firmenkonten an die deutsche Finanzverwaltung zu melden. Die Bank hat die hinter der Firma stehenden wirtschaftlich Berechtigten als Inhaber des Firmenkontos zu melden. Das gilt für den in diesem Jahr in Kraft getretenen EU-weiten Informationsaustausch für Finanzkontodaten. Die ersten Daten waren auf den 31.12.2016 zu erheben und sind bis Ende Jahr 2017 erstmals zu melden.

Wann liegt Steuerhinterziehung vor?

Malta ist in der Tat ein Steuerparadies in der EU. Offiziell fallen auf Malta zwar Körperschaftsteuern von 35 % an.  Für ausländische Gesellschafter aber gebe es eine Rückzahlung dieser Körperschaftsteuer von bis zu 6/7 (Tax Refund), so dass am Ende nur 5 % Prozent tatsächlich anfielen. Der Tax Refund muss aber in Deutschland versteuert werden. Dieses System mit nominell hoher Steuerbelastung, jedoch mit Erstattungsanspruch ist zudem EU-konform. Somit stellt nicht jeder Fall einer Malta-Firma einen Steuerhinterziehungsfall dar.

Steuerhinterziehung droht jedoch einmal, wenn der Tax Refund nicht in der deutschen Steuererklärung deklariert wurde.

Kritischer ist jedoch dann, wenn die maltesische Firma tatsächlich eine Briefkastenfirma ist. Dann droht nämlich die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung nach dem deutschen Aussensteuergesetz. Die Hinzurechnungsbesteuerung blendet Auslandsfirmen, die nur zum Schein bestehen und keine aktiven Tätigkeiten ausüben aus: denkt man sich aber die Auslandsgesellschaft weg, so sind deren Geschäftsvorfälle den dahinstehenden Personen dirket zuzuordnen – und eben an deren Wohnort steuerbar. Unterbleibt aber die Deklaration der Einkünfte in mehr oder weniger bewusster Verkennung der Hinzurechnungsbesteuerung in der deutsche Steuererklärung des oder der Firmeninhaber, so liegt ein Fall der strafbewährten Steuerhinterziehung vor.

Sind dann noch die in der malteischen Firma verwalteten Finanzmittel aus schwarzen Geschäften erlangt, so wird es noch kritischer: Je nach Herkunft können dann neben Steuerhinterziehung auch zB Korruptionsdelikte und Geldwäsche verwirklicht sein.

Was ist nun zu tun?

Es gebe seit längerem Hinweise, dass es eine „Art Panama“ auch in Europa gebe, sagte Walter-Borjans. So seien Firmen unangemeldet auf Malta niedergelassen. Dies dürfe nicht auf Dauer als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Sollte aber ein deutsches Unternehmen die Anmeldung seiner Malta-Niederlassung schlicht vergessen haben, sollte dem Unternehmen angeboten werden können, diese Anmeldung bei deutschen Finanzämtern bis zum 30. Juni nachzuholen, sagte Walter-Borjans. Geprüft werde dies trotzdem.

Diesem Rat sollte man aber nicht vorschnell folgen! Vorher ist zu schauen, ob eine Selbstanzeige angeraten ist.

In der Tat ist die Gründung von Gesellschaften und Unternehmen im Ausland durch deutsche Steuerpflichtige den deutschen Finanzämtern anzuzeigen. Die Anzeige hat bis zum 31.05. des Folgejahres zu erfolgen. Unterbleibt die Anzeige, so stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar. Das am 27.04.2017 vom Bundestag verabschiedete Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz (StUmgBG) weitet diese Anzeigepflichten ab dem 01.01.2018 noch aus. Ist nur diese Anzeige unterbleiben, so sollte sie nachgeholt werden.

Sind darüber hinaus aber Steuern verkürzt worden, so ist eine Selbstanzeige anzuraten. In diesem frühen Stadium ist eine Selbstanzeige noch möglich. Eine Selbstanzeige ist aber dann nicht mehr mit strafbefreiender Wirkung eröffnet, wenn die Tat entdeckt ist und der Steuerpflichtige damit rechnen muss. In den früheren Steuerdaten-Fällen hat die Finanzverwaltung dazu die Auffassung vertreten, dass dies schon mit den Pressemeldungen über konkrete Ermittlungen der Fall sei. Diese Auffassung hat zB das OLG Schleswig mit Beschluss vom 30.10.2015 (2 Ss 63/15 [71/15]) bestätigt, wenn jedenfalls die konkrete Bank genannt ist, bei der ein Konto unterhalten wird. Dem genügt die jetzige Pressemeldung noch nicht. Weiteres Zögern bringt Betroffene der Strafbarkeit jedoch Stück für Stück näher.

Eine Selbstanzeige führt nicht zur Strafbarkeit von nichtsteuerlichen Delikten wie Korruption und Geldwäsche. Liegen diese aber vor, so hat das Finanzamt dies an die Staatsanwaltschaften zu melden.