Keine Ende der Steuer-CDs: NRW erwägt erneut Ankauf von Schweizer Kontodaten

Steuerbetrug von Kunden der Credit Suisse

Steuersündern in Deutschland droht nach einem Bericht von n-tv.de neues Ungemach aus Nordrhein-Westfalen. Das dortige Landesfinanzministerium will den unter der SPD-Vorgänger-Regierung geübten Ankauf von Steuerdaten aus der Schweiz offenbar fortsetzen.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erwägt nach Angaben von n-tv.de gut ein Jahr nach Amtsantritt erstmals den Kauf eines weiteren Datenträgers mit Informationen zu versteckten deutschen Vermögen in der Schweiz. Das Land prüfe derzeit ein Angebot einer Steuersünder-CD, teilte das Düsseldorfer Finanzministerium mit. Weitere Details zum Zeitpunkt einer Entscheidung über einen möglichen Kauf nannte die Behörde nicht.

Das Prüfungsverfahren für den Ankauf von Steuer-CDs würden laut Ministerium wie bisher ablaufen: Etwaige Ankäufe würden einzeln geprüft, „nach dem Abwägen von Chancen und Risiken“ werde darüber entschieden. Das Land stelle weiterhin die nötigen Ressourcen zur Verfügung, hieß es.

Bisherige Steuerdaten-Ankäufe führten zu zahlreichen Steuerstrafverfahren

In den vergangenen acht Jahren hat NRW im Kampf gegen Steuersünder bereits elf CDs gekauft. Diese betrafen nicht allein Daten von Konten bei Schweizer Banken, sondern auch in Liechtenstein, Luxemburg und andern Offshare-Bankingplätzen. Sie führten zu umfangsreichen steuerstrafrechtlichen Ermittlungen durch die Strafsachen-und Bussgeldstelle beim Finanzamt Wuppertal in ganz Deutschland. Die Berichte über die Ankäufe der Steuerdaten drängten auch zahlreiche Inhaber nicht deklarierter Vermögen zu deren Aufdeckung im Rahmen von Selbstanzeigen.

Steuerdaten-Ankäufe sind umstritten

Das Wuppertaler Finanzamt hatte mit ihren Ankäufen von Steuerdaten-CDs und den Folgen wiederholt bundesweit Aufsehen ausgelöst. Der Ankauf von Datensammlung ist nicht unumstritten, handelt es sich doch durchweg um Daten, die auf illegalem Weg die banken verlassen haben. So setzte sich der deutsche Fiskus dem Vorwurf aus, sich als Datenhehler zu bestätigen. Das Bundesverfassungsgericht hatte aber bereits in 2010 entschieden, dass der deutsche Staat angekaufte Daten über Steuersünder für Ermittlungsmaßnahmen nutzen darf, auch wenn diese Informationen rechtswidrig erlangt wurden.

Die Steuerdaten-Ankäufe dürften sich für die öffentliche Hand unterm Strich tatsächlich lohnen. Die dadurch ausgelösten Steuernachprüfungen spülten bundesweit Milliardenbeträge in die Staatskassen. Diese Zahlen beinhalteten jedoch auch all die Erträgnisse aus Selbstanzeigen, die man als durch den öffentlichen Druck veranlasst sahen, der von den Presseberichten über die Steuerdaten-CDs ausging.

Handlungsbedarf bei undeklariertem Vermögen in der Schweiz

Wer als deutscher Steuerbürger noch undeklariertes Vermögen in der Schweiz hat, für den besteht ohnehin Handlungbedarf: Zum Jahresende setzt der automatische Steuerdatenaustausch der Schweiz mit den EU-Staaten ein. Dies wird zu einer hohen Entdeckungswahrscheinlichkeit der bisher noch undeklarierten Konti bei Schweizer Banken führen.

Um die undeklarierten Konti dem Fiskus offenzulegen, führt regelmässig kein Weg an einer strafbefreienden Selbstanzeige vorbei. Diese ist nach mehreren Verschrärfungen in den letzten Jahren rechtlich anspruchsvoll, weshalb es sinnvoll ist, einen darauf spezialisierten Steueranwalt zu mandatieren.

 

30.09.2017: Der weltweite Informationsaustausch von Steuerdaten startet

Deutschland und 49 weitere Staaten sowie Gebiete starten am 30.09.2017 erstmals mit dem automatischen Austausch von Finanzdaten im Steuerbereich

Damit werden erstmals umfassend Daten über Konten von Ausländern bei ihren Banken mit deren Heimatländern ausgetauscht – beginnend mit Vorgängen für 2016. Von September 2018 an wollen dann – nach jetzigem Stand – insgesamt 102 Länder mitziehen.

Heimische Banken melden künftig automatisch ihrer Behörde – in Deutschland dem Bundeszentralamt für Steuern – Konten von Ausländern und damit verbundene Finanzdaten wie: Zinsen, Dividenden, Einnahmen aus bestimmten Versicherungsverträgen, Guthaben auf Konten sowie Erlöse aus der Veräußerung von Finanzvermögen.

Auch der deutsche Fiskus erhält so Informationen über Steuerzahler, die Geld im Ausland angelegt haben. Im Fokus steht nicht nur Privatvermögen. Auch Konten von Treuhändern, Trusts und Stiftungen, die „Reiche“ gern zur Verschleierung ihrer Geschäfte nutzen, fallen darunter. Wichtige Finanzzentren ziehen zu Beginn ebenso mit wie einstige Steueroasen und Inselstaaten mit ihren unzähligen Briefkastenfirmen – etwa die Cayman-Inseln und Liechtenstein.

Mögliche Umgehung durch Schein-Wohnsitze

Doch trotz der Reformen bleiben mögliche Schlupflöcher. So kann der automatische Informationsaustausch umgangen werden durch „Wohnsitz-Zertifikate“, mit denen Schattenfinanzplätze Vermögende locken. Die können sich dort als ansässig melden und so den Datenaustausch aushebeln – Informationen zu Konten und Geldströmen würden an Schattenfinanzzentren gesendet statt an den richtigen Wohnsitz: „Die ‚fake residencies‘ sind eine weit verbreitete Masche.“ Und wer es sich leisten kann, kann immer wieder verschachtelte und komplexe Firmenkonstrukte einfädeln. Doch solch komplexe Strukturen stehen im Fokus der Steuerfahnder. Werden sie aufdeckt drohen neben hohen Steuernachzahlungen empfindliche Strafen. Aber auch falsche Wohnsitze sind gefährlich und führen bei Aufdeckung zur Strafbarkeit wie seinerzeit auch Boris Becker in seinem Steuerstrafverfahren erfahren musste.

Statistiken werden nicht veröffentlicht

Es sind keine „robusten Aussagen“über die Wirkung des Austauschs möglich: Das, was tatsächlich geschehen wird ab dem 30. September, wird nicht einsehbar. Im Umsetzungsgesetz sind keinerlei Statistiken über das Ausmass der ausgetauschten Informationen vorgesehen. Deshalb wird die Frage, wie effektiv das System am Ende ist, solange offen bleiben, solange die Bundesregierung nicht auf eine parlamentarische Anfrage Bericht erstatten wird.

Bundeskriminalamt kauft „Panama Papers“ für Millionen

Das Bundeskriminalamt, das Hessische Ministerium der Finanzen und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main teilten am 04.07.2017  mit, dass das Bundeskriminalamt (BKA) im Besitz von Daten, die in der Öffentlichkeit als sogenannte „Panama Papers“ bekannt sind. Die Enthüllungsdokumente „Panama Papers“ sollen dem BKA beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen helfen. Auch Steuersünder sind das Ziel.

Im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerbetrug hat das Bundeskriminalamt (BKA) die im vergangenen Jahr veröffentlichen „Panama Papers“ gekauft. Nach Angaben aus Regierungskreisen wurden für den riesigen Datensatz mit Informationen über dubiose Geschäfte mit Briefkastenfirmen fünf Millionen Euro an eine „Quelle“ gezahlt. Vor mehr als einem Jahr hatte ein internationales Medien-Netzwerk mit den „Panama Papers“ Finanzströme in der mittelamerikanischen Steueroase enthüllt.

Das BKA, das hessische Finanzministeriums sowie die Generalstaatsanwaltschaft teilten in Frankfurt am Main mit, das Bundeskriminalamt sei im Besitz der „Panama Papers“. Zu Kosten und Detail des Erwerbs wurden keine Angaben gemacht.

Die Daten würden gemeinsam mit der hessischen Finanzverwaltung geprüft und ausgewertet, um strafrechtlichen und steuerrechtlichen Tatbeständen nachzugehen, heiß es weiter. Hierfür bereite das BKA den mehrere Millionen Dateien umfassenden Bestand so auf, dass eine elektronische Auswertung möglich sei. Die Sichtung werde voraussichtlich mehrere Monate dauern. In Fällen mit straf- oder steuerrechtlichen Bezügen ins Ausland arbeiteten das BKA und die Oberfinanzdirektion eng mit den zuständigen Behörden zusammen.

Auch Waffenhandel im Fokus

Durch die Enthüllungen der „Panama Papers“ waren weltweit Politiker, Geschäftsleute und Prominente unter Druck geraten. Der im vergangenen Frühjahr internationalen Medien zugespielte Datenberg zeigte große Geldströme nach Panama, wo Tausende Briefkastenfirmen angesiedelt sind. Ob es sich dabei auch um strafbare Geschäfte handelt, hatten weltweit Staatsanwälte geprüft.

Der staatliche Kauf von Bankdaten und sogenannten Steuer-CDs ist umstritten. Nach einem früheren Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber darf der deutsche Staat angekaufte Daten über Steuerbetrüger nutzen, auch wenn diese Informationen rechtswidrig erlangt wurden.

Im Fokus der Ermittler stehen dem Vernehmen nach vor allem Straftaten aus dem Bereich der organisierten Kriminalität wie Waffenhandel. Erträge daraus werden in der Regel nicht deklariert und fallen dann auch in den Bereich Steuerbetrug.

Finanzministerium begrüsst Datenkauf

Das Bundesfinanzministerium begrüsste nach Pressemeldungen den Erwerb der Daten. Damit könne Fällen von Steuerhinterziehung durch die zuständigen Behörden nachgegangen werden. Das Bundesfinanzministerium hatte sich zuletzt auch am Erwerb von Steuer-CDs finanziell beteiligt.

Briefkastenfirmen sind nicht per se illegal. Auch an der Gründung von „Offshore-Gesellschaften“, also Auslandsfirmen, ist nichts Illegales. Für Briefkastenfirmen kann es alle möglichen, auch legalen Gründe geben. Sie werden aber auch für Steuerbetrug und Geldwäsche genutzt und häufig in Steuerparadiesen gegründet.

Um Finanzströme zu verschleiern, wird Geld oft über verschiedene Konten in verschiedenen Ländern an die Offshorefirma überwiesen. Seit der Enthüllung der „Panama Papers“ haben die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) ihre Anstrengungen verstärkt, Steueroasen trocken zu legen. Auch in Deutschland wurden die Vorgaben deutlich verschärft und mehr Transparenz geschaffen.

Steuerfahndung prüft Malta-Briefkastenfirmen

Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen gehen möglichen Tricksereien und Betrügereien deutscher Unternehmen über Briefkastenfirmen auf Malta nach. Ein neuer Datenträger gibt Auskunft über rund 70.000 Offshore-Firmen.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans  teilte am 10.05.2017 in Berlin mit, dass Ermittlungen zu maltesischen Firmen laufen. Den Wuppertaler Steuerfahndern ist ein anonyn übermittelter Datenträger mit bis zu 70.000 maltesischen Firmen mit weltweiten Kontakten zugegangen, der nun im Hinblick auf Verbindungen zu deutsched Steuerpflichtigen geprüft wird.

Der Malta-Fall erinnert an die sogenannten Panama-Paper mit Enthüllungen über Briefkastenfirmen vor mehr als einem Jahr. Tatsächlich zog der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) Parallelen zu den Panama-Paper-Fällen: „Es gibt Hinweise, dass es eine Art Panama in Europa gibt.“ Damit meinte er offenkundig ein Steuerparadies, das wie Panama darauf spezialisiert ist, Steuerumgehung von Unternehmen zu ermöglichen.

Offshore- oder Briefkastenfirmen sind nicht per se illegal. Sie werden aber häufig genutzt für Geldwäsche und Steuerbetrug. Und eben das wird die Wuppertaler Steuerfahndung nun prüfen.

Firmen in Verbindung mit deutschen Eigentümern

Nach einer ersten Auswertung stünden 1.700 bis 2.000 dieser Firmen in Verbindung mit deutschen Eigentümern. Lediglich 270 seien nach deutschen Gesetzen auch angemeldet. Diese Größenordnung sei zwar bereits bekannt gewesen. Aber tatsächliche Namen, Adressen und Strukturen seien erst jetzt nachvollziehbar. Es gehe auch um nicht angemeldete Niederlassungen bekannter deutscher Konzerne. Wenn Firmen nicht angemeldet seien, gebe es einen gewissen Anfangsverdacht. Ganz offensichtlich gebe es Unregelmäßigkeiten. Es gebe Anlass zur Vermutung, dass Niederlassungen in dem EU- und Euro-Land Malta zu einem bestimmten Zweck gegründet worden seien.

USB-Stick im Briefkasten der Steuerfahnder

Der Stick eines anonymen Informanten mit der „Malta-Liste“ sei am 26.04.2017 im Briefkasten der Steuerfahnder eingegangen und nicht käuflich angeboten worden, sagte Walter-Borjans. Hier habe jemand offenbar reinen Tisch machen wollen, sagte der SPD-Politiker.

Der Stick zeige den Ermittlern, wie Konzerne und Privatpersonen auf der Mittelmeerinsel Firmengeflechte nutzten, um in Deutschland Steuern zu umgehen. Teils geschehe dies mit legalen Tricks, oft aber auch über sogenannte Offshore-Gesellschaften, die ausschließlich als Steuerhinterziehungs-Konstrukte dienten. Häufig würden diese Offshore-Gesellschaften gegründet, um am deutschen Fiskus vorbei Gewinne oder Vermögenswerte ins Ausland zu verlagern und in inaktiven Briefkastenfirmen zu verstecken.

Lücken beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerdaten

Der nordrhein-westfälische Finanzminister kritisierte Lücken beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerdaten unter EU-Ländern: Wenn deutsche Firmen oder Bürger eine maltesische Firma gründen, dann nimmt dies laut Walter-Borjans Malta vom internationalen Informationsaustausch aus. Denn Malta habe sich verpflichtet, Daten an den deutschen Fiskus zu übermitteln, die deutsche Firmen beträfen, aber nicht maltesische. Dies schränke die Informationspflicht ein.

Diese Feststellung von Walter-Borjans trifft jedoch hinsichtlich der Briefkastenfirmen eben nicht zu. Übt eine maltesische Firma in der Hand deutscger Steuerpflichtiger keine aktive Tätigkeit aus – das ist ja bei Briefkastenfirmen bzw. Domizilgesellschaften gerade der Fall – so sind die Daten der Firmenkonten an die deutsche Finanzverwaltung zu melden. Die Bank hat die hinter der Firma stehenden wirtschaftlich Berechtigten als Inhaber des Firmenkontos zu melden. Das gilt für den in diesem Jahr in Kraft getretenen EU-weiten Informationsaustausch für Finanzkontodaten. Die ersten Daten waren auf den 31.12.2016 zu erheben und sind bis Ende Jahr 2017 erstmals zu melden.

Wann liegt Steuerhinterziehung vor?

Malta ist in der Tat ein Steuerparadies in der EU. Offiziell fallen auf Malta zwar Körperschaftsteuern von 35 % an.  Für ausländische Gesellschafter aber gebe es eine Rückzahlung dieser Körperschaftsteuer von bis zu 6/7 (Tax Refund), so dass am Ende nur 5 % Prozent tatsächlich anfielen. Der Tax Refund muss aber in Deutschland versteuert werden. Dieses System mit nominell hoher Steuerbelastung, jedoch mit Erstattungsanspruch ist zudem EU-konform. Somit stellt nicht jeder Fall einer Malta-Firma einen Steuerhinterziehungsfall dar.

Steuerhinterziehung droht jedoch einmal, wenn der Tax Refund nicht in der deutschen Steuererklärung deklariert wurde.

Kritischer ist jedoch dann, wenn die maltesische Firma tatsächlich eine Briefkastenfirma ist. Dann droht nämlich die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung nach dem deutschen Aussensteuergesetz. Die Hinzurechnungsbesteuerung blendet Auslandsfirmen, die nur zum Schein bestehen und keine aktiven Tätigkeiten ausüben aus: denkt man sich aber die Auslandsgesellschaft weg, so sind deren Geschäftsvorfälle den dahinstehenden Personen dirket zuzuordnen – und eben an deren Wohnort steuerbar. Unterbleibt aber die Deklaration der Einkünfte in mehr oder weniger bewusster Verkennung der Hinzurechnungsbesteuerung in der deutsche Steuererklärung des oder der Firmeninhaber, so liegt ein Fall der strafbewährten Steuerhinterziehung vor.

Sind dann noch die in der malteischen Firma verwalteten Finanzmittel aus schwarzen Geschäften erlangt, so wird es noch kritischer: Je nach Herkunft können dann neben Steuerhinterziehung auch zB Korruptionsdelikte und Geldwäsche verwirklicht sein.

Was ist nun zu tun?

Es gebe seit längerem Hinweise, dass es eine „Art Panama“ auch in Europa gebe, sagte Walter-Borjans. So seien Firmen unangemeldet auf Malta niedergelassen. Dies dürfe nicht auf Dauer als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Sollte aber ein deutsches Unternehmen die Anmeldung seiner Malta-Niederlassung schlicht vergessen haben, sollte dem Unternehmen angeboten werden können, diese Anmeldung bei deutschen Finanzämtern bis zum 30. Juni nachzuholen, sagte Walter-Borjans. Geprüft werde dies trotzdem.

Diesem Rat sollte man aber nicht vorschnell folgen! Vorher ist zu schauen, ob eine Selbstanzeige angeraten ist.

In der Tat ist die Gründung von Gesellschaften und Unternehmen im Ausland durch deutsche Steuerpflichtige den deutschen Finanzämtern anzuzeigen. Die Anzeige hat bis zum 31.05. des Folgejahres zu erfolgen. Unterbleibt die Anzeige, so stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar. Das am 27.04.2017 vom Bundestag verabschiedete Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz (StUmgBG) weitet diese Anzeigepflichten ab dem 01.01.2018 noch aus. Ist nur diese Anzeige unterbleiben, so sollte sie nachgeholt werden.

Sind darüber hinaus aber Steuern verkürzt worden, so ist eine Selbstanzeige anzuraten. In diesem frühen Stadium ist eine Selbstanzeige noch möglich. Eine Selbstanzeige ist aber dann nicht mehr mit strafbefreiender Wirkung eröffnet, wenn die Tat entdeckt ist und der Steuerpflichtige damit rechnen muss. In den früheren Steuerdaten-Fällen hat die Finanzverwaltung dazu die Auffassung vertreten, dass dies schon mit den Pressemeldungen über konkrete Ermittlungen der Fall sei. Diese Auffassung hat zB das OLG Schleswig mit Beschluss vom 30.10.2015 (2 Ss 63/15 [71/15]) bestätigt, wenn jedenfalls die konkrete Bank genannt ist, bei der ein Konto unterhalten wird. Dem genügt die jetzige Pressemeldung noch nicht. Weiteres Zögern bringt Betroffene der Strafbarkeit jedoch Stück für Stück näher.

Eine Selbstanzeige führt nicht zur Strafbarkeit von nichtsteuerlichen Delikten wie Korruption und Geldwäsche. Liegen diese aber vor, so hat das Finanzamt dies an die Staatsanwaltschaften zu melden.

 

BMF nennt Staaten, mit denen es ab 30.09.2017 erste Steuerdaten austauscht

Das deutsche Bundesfinanzministerium – BMF – hat eine vorläufigen Staatenaustauschliste für den ersten automatischen Austausch von Informationen über Finanzkonten in Steuersachen zum 30.09.2017 bekannt gegeben.

Deutschland hat sich mit 87 anderen Staaten darauf verständigt, durch gegenseitigen Informationsaustausch über Finanzkonten eine effektive Besteuerung sicherzustellen.

Nunmehr hat das BMF in einem Schreiben vom 06.04.2017 die Staaten aufgeführt, mit denen ab 30.09.2017 der automatische Steuerdatenaustausch beginnen wird. Darin nennt es die Staaten im Sinne des § 1 Absatz 1 FKAustG, mit denen nach derzeitigem Stand der erste automatische Datenaustausch zum 30.09.2017 erfolgt und für welche die meldenden Finanzinstitute Finanzkontendaten erstmals zum 31.07.2017 dem deutschen Bundeszentralamt für Steuern – BZSt – zu übermitteln haben.

Die vorläufige Staatenliste im BMF- Schreiben vom 06.04.2017 – IV B 6 – S 1315/13/10021 :046 finden Sie hier:

[pdf-embedder url=“http://selbstanzeigeberatung.de/wp-content/uploads/BMF-2017-04-06-automatischer-austausch-von-informationen-ueber-finanzkonten-in-steuersachen-nach-dem-finanzkonten-informationsaustauschgesetz-FKAustG.pdf“ title=“BMF 2017-04-06-automatischer-austausch-von-informationen-ueber-finanzkonten-in-steuersachen-nach-dem-finanzkonten-informationsaustauschgesetz-FKAustG“]

Neue Ermittlungen wegen Steuerbetrug bei der Credit Suisse

Wie die F.A.Z. am 04.04.2017 berichtet, ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft in Deutschland wegen des Verdachts auf Steuerbetrug gegen eine dreistellige Zahl an Kunden der Credit Suisse. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit Aktionen desniederländischen Steuerfahndungsdienstes FIOD. Dazu gehörten Wohnungsdurchsuchungen, Verhöre und anderes, so die F.A.Z. Der FIOD war es gewesen, der die koordinierte internationale Aktion zuvor bekannt gemacht hatte, nachdem Strafverfolger Dependancen der Credit Suisse in Amsterdam und Paris durchsucht und auch in London Gespräche mit dem Bankmanagement geführt hatten. Deutsche Ermittlungsbehörden sind laut F.A.Z. bisher offenbar nicht auf die Schweizer Bank zugegangen.

Deutsche Steuerpflichtige, die noch unversteuertes Vermögen bei der Credit Suisse haben, sollten über eine Selbstanzeige nachdenken. Dabei ist aber Eile geboten. Schnell verwehrt der Sperrgrund der Tatentdeckung die Strafheit durch eine Selbstanzeige.

Die Schweiz muss auch bei gestohlenen Daten Steueramtshilfe leisten

Steuerbetrug von Kunden der Credit Suisse

Das Schweizer Bundesgericht stellt sich in seinem Urteil vom 16.02.2017 (2C_893/2015) gegen einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts: Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) muss Frankreich Informationen zu einem UBS-Kunden liefern, obschon das Amtshilfeersuchen wohl auf gestohlenen Daten beruht.

Einmal mehr zieht das Bundesgericht die Grenzen der Steueramtshilfe weiter als das Bundesverwaltungsgericht: Es erlaubt der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) die Herausgabe von Bankdaten selbst dann, wenn das ausländische Ersuchen auf im Ausland gestohlenen Daten beruht. Danach kommt es aber darauf an, ob die Daten in der Schweiz oder woanders entwendet wurden.

Auskunftsersuchen stützte sich auf gestohlene Daten

Nachdem die ESTV ein Auskunftsersuchen der französischen Finanzbehörden guthiess, akzeptierte ein Betroffenener die Auslieferung seiner Daten nicht und legte gegen die Verfügung der EStV Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er rügte unter anderem, dass sich das Ersuchen auf gestohlene Daten stütze: Die frühere Marketingchefin von UBS Frankreich habe eine Liste mit 600 Kundennamen illegal entwendet und 2010 den französischen Behörden zugestellt.

Das Argument hatte Erfolg: Im September 2015 sprach sich die St. Galler Instanz gegen die Gewährung der Amtshilfe aus. Das Ersuchen der französischen Behörden beruhe auf einer Liste potenzieller französischer Steuerpflichtiger, die von einem Datendiebstahl durch Angestellte der UBS Frankreich stamme. Dieses Vorgehen sei nach schweizerischem Recht strafbar. Auf ein Amtshilfegesuch, das auf gestohlenen Daten basiere, dürfe nicht eingetreten werden, so das Gericht. Denn ein solches verletze den Grundsatz von Treu und Glauben, wie er implizit im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Frankreich enthalten und im schweizerischen Steueramtshilfegesetz ausdrücklich erwähnt sei.

Kein Diebstahl in der Schweiz

Das Schweizer Bundesgericht stellt aber nicht darauf ab, dass die französischen Finanzbehörden an die Liste mit den Namen der Personen, zu denen um Auskunft ersucht wurde, durch einen Datendiebstahl gelangt sind. Vielmehr sei massgeblich, dass der Diebstahl nicht in der Schweiz erfolgt sei. Damit sei die Bestimmung in Art. 7 lit. c des Schweizer Steueramtshilfegesetz laut Bundesgericht nicht einschlägig, wonach auf ein Ersuchen nicht einzutreten ist, wenn es auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare Handlungen erlangt worden sind. Diese Vorschrift gelte nur für in der Schweiz begangene Datendiebstähle, nicht aber für solche im Ausland. Andernfalls käme der Norm extraterritoriale Wirkung zu, was nicht im Sinne des Gesetzgebers sein könne, heisst es in den Erwägungen.

Schweizer Bundesgericht: Bank darf Namen von Anwälten nicht an US-Behörden liefern

Das Schweizer Bundesgericht hat mit Urteilvom 22.09.2016 (4A_83/2016) entschieden, dass es einer Tessiner Bank es untersagt ist , den amerikanischen Behörden im Rahmen des US-Steuerprogramms Daten zu zwei Anwälten und einer Anwaltskanzlei zu liefern.
Das Bundesgericht weist die Beschwerde der Bank in den wesentlichen Punkten ab und bestätigt im Ergebnis den Entscheid des Handelsgerichts des Kantons Zürich.
Die im Kanton Tessin ansässige Bank nimmt zur Beilegung des Steuerstreits mit den
USA am „Program for non-prosecution agreements and non-target letters for Swiss
banks“ (US-Steuerprogramm) der US-Steuerbehörde und des US-Justizministeriums
teil. Die Tessiner Bank beabsichtigte in diesem Rahmen die Herausgabe der Namen von
zwei Schweizer Anwälten, die als Bevollmächtigte für amerikanische Kunden Konten der
Bank verwaltet hatten, sowie einer Anwaltskanzlei, die der Bank US-Kunden zugeführt
hatte. Das Handelsgericht des Kantons Zürich hiess im vergangenen Dezember eine vor
allem auf das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) gestützte Klage der Anwälte und der Kanzlei gut und verbot der Bank die Herausgabe der fraglichen Daten an die amerikanischen Behörden.
Das Bundesgericht weist die dagegen erhobene Beschwerde der Bank in den wesentlichen Punkten ab. Die beabsichtigte Datenherausgabe an die US-Behörden stellt
grundsätzlich eine Verletzung der Persönlichkeit der Betroffenen dar, da die USA nicht
über eine Gesetzgebung verfügen, die einen angemessenen Datenschutz im Sinn von

Artikel 6 Absatz 1 DSG gewährleistet. Eine Herausgabe der Daten kann unter diesen

Umständen gemäss Datenschutzgesetz dann gerechtfertigt sein, wenn dies zur Wahrung überwiegender öffentlicher Interessen unerlässlich ist (Artikel 6 Absatz 2 DSG). Da
diese Voraussetzung im Zeitpunkt der Datenherausgabe erfüllt sein muss, können sich
die Verhältnisse im Verlaufe des Verfahrens ändern. Unerlässlich in diesem Sinne wäre
eine Datenlieferung an die US-Behörden namentlich, wenn ohne die Datenlieferung
davon auszugehen wäre, dass der Steuerstreit mit den USA erneut eskalieren würde
und der Schweizer Finanzplatz damit in Mitleidenschaft gezogen sowie der Ruf der
Schweiz als zuverlässige Verhandlungspartnerin beeinträchtigt würde. Die beschwerdeführende Bank zeigt nicht hinreichend auf, dass die Herausgabe im jetzigen Zeitpunkt zur Wahrung der öffentlichen Interessen unerlässlich ist. Damit verletzt das Handelsgericht im Ergebnis kein Recht, wenn es die Herausgabe untersagt.