30.09.2017: Der weltweite Informationsaustausch von Steuerdaten startet

Deutschland und 49 weitere Staaten sowie Gebiete starten am 30.09.2017 erstmals mit dem automatischen Austausch von Finanzdaten im Steuerbereich

Damit werden erstmals umfassend Daten über Konten von Ausländern bei ihren Banken mit deren Heimatländern ausgetauscht – beginnend mit Vorgängen für 2016. Von September 2018 an wollen dann – nach jetzigem Stand – insgesamt 102 Länder mitziehen.

Heimische Banken melden künftig automatisch ihrer Behörde – in Deutschland dem Bundeszentralamt für Steuern – Konten von Ausländern und damit verbundene Finanzdaten wie: Zinsen, Dividenden, Einnahmen aus bestimmten Versicherungsverträgen, Guthaben auf Konten sowie Erlöse aus der Veräußerung von Finanzvermögen.

Auch der deutsche Fiskus erhält so Informationen über Steuerzahler, die Geld im Ausland angelegt haben. Im Fokus steht nicht nur Privatvermögen. Auch Konten von Treuhändern, Trusts und Stiftungen, die „Reiche“ gern zur Verschleierung ihrer Geschäfte nutzen, fallen darunter. Wichtige Finanzzentren ziehen zu Beginn ebenso mit wie einstige Steueroasen und Inselstaaten mit ihren unzähligen Briefkastenfirmen – etwa die Cayman-Inseln und Liechtenstein.

Mögliche Umgehung durch Schein-Wohnsitze

Doch trotz der Reformen bleiben mögliche Schlupflöcher. So kann der automatische Informationsaustausch umgangen werden durch „Wohnsitz-Zertifikate“, mit denen Schattenfinanzplätze Vermögende locken. Die können sich dort als ansässig melden und so den Datenaustausch aushebeln – Informationen zu Konten und Geldströmen würden an Schattenfinanzzentren gesendet statt an den richtigen Wohnsitz: „Die ‚fake residencies‘ sind eine weit verbreitete Masche.“ Und wer es sich leisten kann, kann immer wieder verschachtelte und komplexe Firmenkonstrukte einfädeln. Doch solch komplexe Strukturen stehen im Fokus der Steuerfahnder. Werden sie aufdeckt drohen neben hohen Steuernachzahlungen empfindliche Strafen. Aber auch falsche Wohnsitze sind gefährlich und führen bei Aufdeckung zur Strafbarkeit wie seinerzeit auch Boris Becker in seinem Steuerstrafverfahren erfahren musste.

Statistiken werden nicht veröffentlicht

Es sind keine „robusten Aussagen“über die Wirkung des Austauschs möglich: Das, was tatsächlich geschehen wird ab dem 30. September, wird nicht einsehbar. Im Umsetzungsgesetz sind keinerlei Statistiken über das Ausmass der ausgetauschten Informationen vorgesehen. Deshalb wird die Frage, wie effektiv das System am Ende ist, solange offen bleiben, solange die Bundesregierung nicht auf eine parlamentarische Anfrage Bericht erstatten wird.

AIA-Meldestandard der OECD (Common Reporting Standard – CRS)

Den Gemeinsamen Meldestandard für den automatischen Informationsaustausch
über Finanzkonten der OECD hat der OECD-Ausschuss für Steuerfragen (CFA) am 17. 1. 2014 genehmigt und freigegeben und enthält den globalen Standard für den automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten. Es wurde von der OECD gemeinsam mit den G20-Staaten und in enger Kooperation mit der EU ausgearbeitet.

Teil I enthält die Einführung des Standards,

Teil II den Wortlaut des Musters für eine Vereinbarung zwischen den zuständigen Behörden (Mustervereinbarung – CAA) sowie des gemeinsamen Melde- und Sorgfaltsstandards (Common Reporting Standard – CRS).

Nach dem Standard beschaffen sich die Staaten und Gebiete Finanzinformationen von ihren Finanzinstituten und tauschen diese jährlich automatisch mit anderen Staaten und Gebieten aus. Der Standard setzt sich aus zwei Elementen zusammen:

  • dem gemeinsamen Meldestandard, der die Melde- und Sorgfaltsvorschriften enthält, und
  • der Mustervereinbarung, die die genauen Vorschriften über den
    Informationsaustausch enthält.

Zum OECD AIA-Meldestandard:

[pdf-embedder url=“http://selbstanzeigeberatung.de/wp-content/uploads/OECD-Gemeinsamer-Meldestandard-AIA.pdf“ title=“OECD Gemeinsamer Meldestandard AIA“]

Ende des Bankgeheimnisses in Liechtenstein

Am 2.12.2015 haben die Abgeordneten ein Abkommen über den automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten zwischen der EU und Liechtenstein gebilligt. Mit der im Oktober unterzeichneten Vereinbarung, die 2018 wirksam wird, sollen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung bekämpft werden.

Nach dem Abkommen werden die EU und Liechtenstein automatisch Informationen über die Finanzkonten ihrer jeweiligen Gebietsansässigen austauschen. Die auszutauschenden Informationen beziehen sich nicht nur auf Zinserträge und Dividenden, sondern auch auf Kontostände und Einkünfte aus dem Verkauf von finanziellen Vermögenswerten. Steuerpflichtige werden es so schwerer haben, Kapital am Fiskus vorbeizuschleusen.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Liechtenstein Daten über Finanzkonten mit den EU-Mitgliedstaaten automatisch austauschen wird, wie diese es künftig auch untereinander tun werden.

Die Steuerverwaltungen in den EU-Mitgliedstaaten und in der Liechtenstein werden in der Lage sein,

  • die betreffenden Steuerpflichtigen korrekt und eindeutig zu identifizieren;
  • ihre Steuergesetze in grenzüberschreitenden Konstellationen anzuwenden und durchzusetzen;
  • die Wahrscheinlichkeit zu bewerten, ob eine Steuerhinterziehung begangen wird;
  • unnötige weitere Ermittlungen zu vermeiden.

Der lange Abschied vom Schweizer Bankgeheimnis

► 1. Juli 2005: Start der 2003 beschlossenen grenzüberschreitenden Zinsbesteuerung in der EU, unter Einbezug der fünf Drittstaaten Schweiz, Andorra, Liechtenstein, Monaco und San Marino sowie von unabhängigen/assoziierten Gebieten von EU-Staaten. Alle EU-Staaten ausser Belgien, Luxemburg und Österreich wenden hierzu den automatischen Informationsaustausch (AIA) an; die genannten drei EU-Mitglieder hingegen erheben als Übergangslösung wie die Schweiz eine Quellensteuer auf Zinserträge von Anlegern aus (anderen) EU-Staaten, deren Erlös sie zu 75% anonymisiert an die Herkunftsländer der Sparer weiterleiten. Dies ermöglicht die Beibehaltung des Bankgeheimnisses. Belgien wechselt 2010 zum AIA.

► 13. November 2008: EU-Kommission schlägt Revision der Zinsbesteuerung vor, um durch eine Ausdehnung des Anwendungsbereichs Schlupflöcher zu stopfen.

► 13. März 2009: Die Schweiz, Luxemburg und Österreich akzeptieren den OECD-Standard für Amtshilfe (Informationsaustausch auf Anfrage) in Steuersachen, auch bei Steuerhinterziehung. Damit machen sie einen ersten Schritt zur Lockerung des Bankgeheimnisses.

► März 2010: Die USA beschliessen die «Foreign Account Tax Compliance Act» (Fatca), die AIA-ähnliche Abkommen mit Drittstaaten erfordert.

► 3. Dezember 2012: Die Schweiz und die USA paraphieren ein Fatca-Abkommen, das am 2. Juni 2014 in Kraft tritt.

► 10. April 2013: Luxemburg kündet an, bei der EU-Zinsbesteuerung 2015 zum AIA zu wechseln.

► 18./19. April 2013: Finanzminister der G-20 beauftragen OECD mit Ausarbeitung eines globalen AIA-Standards.

► 14. Mai 2013: EU-Finanzminister geben der EU-Kommission nach langem Ringen ein Mandat für Verhandlungen mit der Schweiz und den weiteren Drittstaaten über die Ausdehnung des Anwendungsbereichs der Zinsbesteuerung; auch ein Systemwechsel zum AIA soll angesprochen werden.

► 12. Juni 2013: EU-Kommission schlägt Ausdehnung des AIA innerhalb der EU über die Zinsbesteuerung hinaus vor.

► 18. Dezember 2013: Bundesrat verabschiedet Mandat für Verhandlungen mit EU über Ausdehnung der Zinsbesteuerung (die Anfang 2014 beginnen).

► 17. Januar 2014: Das Fiskalkomitee der OECD verabschiedet Schlüsselelemente des globalen Standards für den AIA (veröffentlicht am 13. Februar).

► 24. März 2014: EU-Finanzminister verabschieden erweiterten Anwendungsbereich der Zinsbesteuerung.

► 6. Mai 2014: Der Bundesrat stimmt im Grundsatz dem neuen globalen AIA-Standard der OECD zu.

► 21. Juli 2014: OECD veröffentlicht Gesamtpaket zum globalen AIA-Standard.

► 8. Oktober 2014: Bundesrat beschliesst Mandate für Verhandlungen mit Partnerstaaten und der EU über den AIA. Mit der EU wird nun über den AIA statt über die Ausdehnung des Quellensteuer-Modells verhandelt.

► 29. Oktober 2014: 58 Staaten und Territorien verpflichten sich, ab 2017 Daten auszutauschen, 35 weitere (darunter die Schweiz) wollen dies ab 2018 tun. 51 Staaten unterzeichnen die multilaterale Vereinbarung über den AIA über Finanzkonten (MCAA).

► 19. November 2014: Die Schweiz unterzeichnet die MCAA.

► 9. Dezember 2014: EU-Finanzminister verabschieden Richtlinie (Gesetz) zur Ausdehnung des Anwendungsbereichs des AIA über die Zinsbesteuerung hinaus, womit sie den OECD-Standard umsetzen und dieser für alle EU-Staaten Pflicht wird. Dies wird auch die Zinsbesteuerungs-Richtlinie ablösen.

► 19. März 2015: Schweiz und EU paraphieren Abkommen zur Einführung des AIA in Steuersachen. Es übernimmt den AIA-Standard der OECD und wird das bilaterale Zinsbesteuerungsabkommen ersetzen.

► 26. Mai 2015: Ministerrat (Gremium der EU-Staaten) gibt grünes Licht für die Unterzeichnung des AIA-Abkommens mit der Schweiz.

► 27. Mai 2015: Schweiz und EU unterzeichnen das AIA-Abkommen.

► 1. Januar 2017: Inkraftsetzung des AIA-Abkommens mit der EU geplant. Im Jahre 2018 würden erstmals Daten ausgetauscht (über die 2017 ausbezahlten Zinsen und weiterer Erträge).

Neue Steuerdaten-CD: Kunden der Luxemburger Sparkasse (BCEE) aufgepasst!

Steuerbetrug von Kunden der Credit Suisse

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat die Nordrhein-Westfälische Finanzverwaltung neue Steuerdatensätze erhalten. Nach übereinstimmenden Presseberichten, so etwa der Süddeutschen Zeitung, handelt es sich um zumindest zwei Datensätze, die zusammen sehr aufschlussreich für die Finanzbehörden seien sollen. Es handele sich um Daten mehrerer Banken. Betroffen sind nach übereinstimmenden Presseberichten die deutschen Kunden von Banken in Luxemburg. Zudem sollen die Daten zwei unterschiedliche Fallgestaltungen betreffen: Zum anderen darüber hinaus in einer Vielzahl von Fällen sogenannte Cum/Ex-Geschäfte aufdecken.

Kunden der Luxemburger Sparkasse im Visier?

Zum einen sollen sich die nordrhein-westfälischen Steuerfahnder umfangreiche Informationen über eine ausländische Bank besorgt haben, bei der 55.000 deutsche Kunden Schwarzgeld angelegt haben sollen. Dabei handelt es sich mutmasslich um Kunden der Luxemburgischen Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat (BCEE). Diesen Schluss lässt zu, dass von einer Bank die Rede ist, die über zahlreiche Filialen an der deutschen Grenze verfügt. Zudem will eben die BCEE nach Angaben des Luxemburger Wort Klage in der Sache erheben. Deutsche Kunden mit einer Bankbeziehung zur Luxemburgischen Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat (BCEE), die steuerlich bisher nicht erfasst ist, sollten schnellstmöglich die Bankverbindung nacherklären.

Fahndung nach Cum/Ex-Geschäften

Darüber hinaus soll die Steuerdaten-CD sogenannte „Cum/Ex-Geschäfte“ aufdecken.

Cum/Ex-Geschäfte funktionieren in der Regel so: Ein Vertragspartner kauft Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag („cum Dividende“), aber die Aktien werden erst nach dem Dividendenstichtag („ex Dividende“) in seinem Depot gutgeschrieben. Die Dividenden muss der Verkäufer allerdings nachreichen. Das passiert in Form einer Ausgleichszahlung in Höhe der Dividenden, die der Verkäufer dem Käufer nachträglich überweist.

Das Problem: Die Ausgleichszahlung muss der Käufer nicht versteuern, darf sich aber dennoch die Kapitalertragssteuer anrechnen lassen. Damit hat am Ende nur der Verkäufer die Steuer auf die Dividenden bezahlt, beide – Verkäufer und Käufer – durften sich aber die Kapitalertragssteuer anrechnen lassen. Diese Praxis war bis 2012 noch „möglich“, erst danach hat der Gesetzgeber die Gesetzeslücke geschlossen. Die bisher gerichtsbekannten Fälle bewegen sich deutlich im Milliardenbereich, so im Fall der  Investmentfirma Rajon des Immobilienunternehmers Rafael Roth als auch im Falle Maschmeyer. Seitdem ist die Legalität dieser Geschäfte in Fachkreisen vielfach kontrovers diskultiert worden.

Bislang hat nur die Hypo-Vereinsbank (HVB) zusammen mit Cum/Ex-Geschäftspartnern rund 200 Millionen Euro an den Fiskus zurückgezahlt. Daneben ist bekannt, dass haben besonders die HSH Nordbank, die der Landesbank Baden-Württemberg LBBW), die Schweizer Bank J. Safra Sarasin AG, die kanadische Maple Bank und Barclays aus Großbritannien mit Cux/Ex-Investments offeriert haben, zB in Sheridan-Fonds.

Die schnellstmögliche Selbstanzeige ist angeraten

Die Auswertung der vielen Tausend Datensätze dürfte mehrere Monate dauern. Mit raschen Razzien ist besonders bei den Cux/Ex-Geschäften, anders als bei den klassischen Schwarzgeldkonten im ersten Fall, nicht zu rechnen. Das könnte für viele der in die dubiosen Aktiendeals verstrickten Banken die letzte Chance sein, Selbstanzeige zu erstatten damit Straffreiheit zu erlangen.

Anders als es Finanzverwaltung propagiert, greift der Sperrgrund der Tatentdeckung noch nicht ein, wenn ein Anlager auf einer Steuer-CD aufgeführt, aber der Vorfall noch nicht ausgewertet ist.

Eine Selbstanzeige ist hat nur dann strafbefreiende Wirkung, wenn zahlreiche enge Vorausetzungen beachtet werden. Daher ist es unerlässlich, hierzu einen kompetenten Fachwalt für Steuerrecht zu konsultieren.

Nacherklären ausländischer Depots

Das Nacherklären von ausländischen Konten und Depots – besonders in der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg – ist in vollem Gange. Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerdelikten hat sich einem Pressebericht zufolge verdreifacht. Bundesweit sind in 2013 mehr als 24.000 Selbstanzeigen bei den Finanzämtern eingegangen.

Schweizer Banken sortieren Steuerhinterzieher gnadenlos aus. Die Schweizer Banken machen einen Neubeginn und verlangen von ihren Kunden die Regularisierung ihrer Depots. Als die Credit Suisse im März 2013 die Initiative dafür gab, ihre deutschen Kunden zur Steuerehrlichkeit zu bewegen, wollte man bis Ende 2013 von jedem Kunden eine Steuerberater-Bescheinigung vorgelegt bekommen haben. Darin bestätigt ein beauftragter Steuerberater, dass die Einkünfte aus den Depots beim deutschen Finanzamt deklariert sind. Bringt ein Klient keine Steuerberaterbestätigung bei, so wird die Kontobeziehung saldiert. Es zeigt sich, dass die ursprünglichen zeitlichen Pläne viel zu ehrgeizig gesetzt war. Es stehen noch viele Vermögen vor der Aufarbeitung. Das liegt auch daran, dass ein Flaschenhals die Beschaffung der Bankunterlagen durch die Schweizer Banken ist.

Musterformulierung einer Steuerberaterbestätigung (variiert je nach Bank):

Mit Bezug auf folgende Geschäftsbeziehung … (Kundennummer), lautend auf … (Vertragspartner, je nachdem
Kontoinhaber, Juristische Person, Versicherung, Name Nummernkonto etc.) bestätige ich hiermit, dass Herr/Frau …
(wirtschaftlich Berechtigte/r), wohnhaft in … (Wohnsitzadresse, Domizilland), die steuerliche Veranlagung für das Jahr … durchgeführt hat.
Ich bestätige ferner, dass die im Steuerjahr … angefallenen Kapitaleinkünfte und sonstigen Einkünfte auf die bei Ihnen unter oben aufgeführter Kundennummer verbuchten Vermögenswerten ordnungsgemäß in die Veranlagung
miteinbezogen worden sind.

Das sichere Schätzen bei Selbstanzeigen

Der Prozessverlauf im Fall Hoeneß dürfte bei vielen Beobchtern den Eindruck erwecken, eine Selbstanzeige sei vor nahezu vollständiger Auswertung von Bankunterlagen nicht sicher möglich – jedenfalls in komplexen Fällen – und gleiche eher einem Roulette. Dem ist nicht so.

Im Fall Hoeneß wurde im Verlauf des Strafprozesses die Steuerschuld immer höher: Beinahe stündlich erhöhte sich Hoeneß‘ Steuerschuld – von zunächst 3,5 Millionen über 9 Millionen auf letztendlich bis zu 27 Millionen Euro (F.A.Z. vom 12.3.2014)

Woher kommen die 27 Millionen Euro hinterzogener Steuern?

Hoeneß hat jahrelang Gewinne auf seinem Schweizer Konto nicht versteuert. Ursprünglich ging es um 3,5 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft hat die Summe im Prozess um 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen erhöht. Am ersten Prozesstag hat Hoeneß ein umfassendes Geständnis abgelegt und zusätzliche 15 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern zugegeben. Eine Steuerfahnderin hatte aus seinen Unterlagen sogar eine zusätzliche Summe von 23,7 Millionen Millionen errechnet, Hoeneß‘ Verteidigung hat diesen Betrag mittlerweile bestätigt. Die zusätzliche Summe stammt aus Spekulationsgewinnen mit Devisentermingeschäften. In der Anklageschrift waren ursprünglich lediglich „normale“ Kapitalerträge enthalten. (Quelle: F.A.Z. vom 12.3.2014)
Die Verteidigung von Hoeneß akzeptierte zuvor die von einer Finanzbeamtin auf 27,2 Millionen Euro bezifferten Steuerschulden, so die F.A.Z. am 12.3.2014. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß’ Anwalt Hanns W. Feigen vor dem Landgericht München II. Die Verteidigung sei von den am Dienstag bekanntgewordenen Zahlen keineswegs überrascht gewesen. Der Verteidiger habe dazu erklärt:
In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. 1.2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.“

Die Hoeneß-Anwälte meinen, die Selbstanzeige habe sogar eine Hinterziehung von 60 bis 70 Millionen Euro abgedeckt; daher sehen sie sogar noch erheblich „Luft nach oben“. Grund ist, dass in der Selbstanzeige für die erzielten Gewinne eine Summe in grob geschätzter Höhe von 130 Millionen Euro genannt wird. Bei einem Einkommensteuersatz plus Solidaritätszuschlag von knapp 50 Prozent seien so bis zu 70 Millionen Euro abgedeckt. Grundsätzlich werden die Summen bei einer Selbstanzeige immer eher zu hoch als zu niedrig angesetzt, damit man nicht zu viel nachdeklarieren muss.

Die Selbstanzeige war offenbar ungenügend

Die Ankläger gehen nach dem dritten Prozesstag hingegen weiterhin davon aus, dass die Selbstanzeige gescheitert ist, weil sie wegen formaler Mängel unvollständig gewesen sei – so habe Hoeneß in einer beigefügten Aufstellung nur für drei Jahre Gewinne angegeben. Das habe das Gericht moniert. Und letztlich hielt das Gericht die Selbstanzeige für unwirksam.

Die Formulierung „In der Selbstanzeige … sind sämtliche Zahlen bereits enthalten“ lässt zusammen mit den bekannt gewordenen Umständen wie dem rapiden Anstieg der Steuerschuld und dem Umstand, dass die Unterlagen zur Zeit des Prozesses nicht ausgewertet waren, vermuten, dass Einkünfte in der Höhe nicht explizit erklärt wurden, sondern aus den Unterlagen zusammen zu  puzzeln sind.

Das widerspricht dem Vollständigkeitsgebot: Mit der Neuregelung der Selbstanzeige durch das Schwarzgeldbekämpfungsgesetz
vom 28. 4. 2011 hat der Gesetzgeber das zuvor von der Rechtsprechung des BGH (20. 5. 2010, 1 StR 577/09) statuierte
Erfordernis der Vollständigkeit in Paragraph 371 Abs. 1 der Abgabenordnung – AO – aufgenommen.

Vollständig meint „Reinen Tisch machen“. Es bedeutet aber auch, dem Finanzamt den nachzuerklärenden Sachverhalt so vorzutragen, dass dieses den Sachverhalt und die sich daraus ergebende Steuerschuld unschwer nachprüfen kann.

Die gestufte Selbstanzeige

Das Erfordernis der Vollständigkeit schliesst ein gestuftes Vorgehen nicht aus. Im Fall Hoeneß erfolgte offenbar eine sog. gestufte Selbstanzeige:

Da die Bankunterlagen i. d. R. nicht oder nicht vollständig vorliegen oder noch auszuwerten sind, wird zunächst – auf der
ersten Stufe – eine Nacherklärung an das Einkommensteuerfinanzamt mit geschätzten Zahlen gerichtet, um das
Entdeckungsrisiko auszuräumen. Die Konkretisierung der geschätzten Zahlen erfolgt sodann – auf der zweiten Stufe –
zeitlich versetzt nach Auswertung der Bankunterlagen.

Die Konkretisierung muss sich jedoch innerhalb der mit der Schätzung nacherklärten Beträge halten. Ergibt die Konkretisierung darüber hinaus gehende Einkünfte, erweist sich die Schätzung als ungenügend, mithin nicht sachgerecht, und die Selbstanzeige als unwirksam.

Nun wird im Fall Hoeneß die besondere Schwierigkeit derart dargestellt (F.A.Z. am 12.3.2014), dass es rund 50 000 Transaktionen gebe, jede sei mit mehreren Belegen verbunden und teile sich in Kassa-, Termin- und Swapgeschäft auf. Die Unterlagen steckten demnach in mehreren Umzugskartons.

Doch dies schliesst eine sachgerechte Schätzung nicht aus. Ist ein steuerlich bedeutsamer Ssachverhalt nicht vollständig bekannt, so ist die Steuer zu schätzen. Eine Schätzung hat sachgerecht zu sein. Je unsicherer die Tatsachengrundlage ist, umso grösser ist der sog. Schätzungsrahmen – das ist die Streubreite, innerhalb derer sich eine Schätzung bewegt. Wie weit die Schere auseinandergehen kann, verdeutlicht der Fall Hoeneß geradezu prototypenhaft.

Eine Schätzung, mit der man sich durch Selbstanzeige der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen versucht, hat sich unter Vorsichtsgesichtspunkten am oberen Schätzungsrahmen zu orientieren. Dementsprechend sind die Einkünfte zu eindeutig deklarieren, und nicht etwa als Spanne aus der sich das Finanzamt einen Wert rauspicken kann.

Zeigt sich nach Auswertung der Unterlagen, dass die Schätzung deutlich zu hoch war, so macht es sie nicht nachträglich falsch. Es ist auf den Zeitpunkt der Schätzung abzustellen, zu der Zeit muss sie sachgerecht sein.

Der selbstanzeigende Steuerpflichtige hat schon ein Eigeninteresse, die Schätzung betragsmässig nicht zu überreissen: Aufgrund der Schätzung wird zunächst die Steuer festgesetzt und ist auch zu zahlen – jedenfalls, wenn sich die Auswertung von Unterlagen länger hinzieht. Eine hohe Schätzung zieht also eine hohe Zahlung mit sich.

Die Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkünften

In dem Aufsatz „Die Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkünften“ in: Die Steuerberatung – Stbg 2013, S. 495 zeigt Obenhaus die Herausforderungen auf, die eine Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkünften bereithält. Die Selbstanzeigen wegen unversteuerter Einkünfte aus Auslandskonten sind recht komplex, da neben der funbdierten Kenntnis über die wirksame strafbefreiende Selbstanzeige auch Kenntnisse über Kapitalanlagen hinzukommen.

[pdf-embedder url=“http://selbstanzeigeberatung.de/wp-content/uploads/2017/01/Die-Selbstanzeige-bei-ausländischen-Kapitaleinkuenften-Die-Selbstanzeige-bei-ausländischen-Kapitaleinkünften-Die-Selbstanzeige-bei-ausländischen-Kapitaleinkünften-Stbg-2013-Seite-495.pdf“ title=“Die Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkuenften-Die Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkünften-Die Selbstanzeige bei ausländischen Kapitaleinkünften Stbg 2013 Seite 495″]

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Zustimmung des Stollfuss-Verlages. Der Download sowie jede Vervielfältigung des Beitrages bedarf der vorherigen Zustimmung des Stollfuss-Verlages.